Mathematik entwicklungsorientiert unterrichten

Viele Kinder sind von den Anforderungen der Lehrmittel ihrer Klassenstufe unter- oder überfordert.

Die einen haben Lücken aus früheren Stufen und kommen nicht mehr mit. Sie gelten gern als dümmer wie die anderen und neigen dazu, sich selbst auch so einzuschätzen. Von Mathematik enttäuscht äussern sich diese Kinder so: „Ich bin schwach in Mathe.“ „Ich verstehe nicht, worum es geht.“ „Mathe ist blöd.“

Andere langweilen sich, da sie mit den gestellten Aufgaben in kürzester Zeit fertig sind und die Anforderungen nicht ihrem Potential entsprechen. Ihre Sätze können so lauten: „Muss ich das machen? Das kann ich doch schon.“ „Mathe ist langweilig.“

Für Lehrpersonen sind die Herausforderungen der Integration mit der zunehmenden Heterogenität enorm. Schwächeren oder auch starken Lernenden nicht gerecht zu werden, kann bis zum Burnout belasten.

Zwei Grundfragen stehen im Zentrum des Kurses:

  1. Wo stehen die Schülerinnen und Schüler meiner Klasse? Wie stelle ich das fest?
  2. Wie und womit organisiere ich meinen Unterricht so, dass möglichst alle erfolgreich arbeiten können?

Für die erste Frage braucht es geeignete Standortbestimmungen.
Für die zweite braucht es ein Angebot, das auf die unterschiedlichen Lernstände eingehen kann.

Kursinhalt

Wir zeigen ein Unterrichtsmodell, das diesen Ansprüchen gerecht wird.

Die Grundidee basiert darauf, dass der gesamte Stufenstoff auf drei Niveaus jährlich wiederkehrend (zyklisch) angeboten wird. Das gewährleistet, dass jedes Kind zu jedem Zeitpunkt seiner Schullaufbahn dort arbeiten kann, wo es steht.

Zu diesem Zweck wird der Stoff eines Faches in grösseren Themenbereichen zusammengefasst. Jedes dieser Themen besteht aus einem grundlegenden Teil I (Niveau G) und einem erweiterten Teil II (Niveau E), der auch zusätzliche, nach oben offene Angebote enthält (Niveau Z).

Mit seinen breit differenzierenden Standortbestimmungen und Lernangeboten genügt der grundlegende Teil I auch heilpädagogischen Ansprüchen.

Alle Lernenden steigen jeweils in den ersten Teil (G) eines Themas ein. Fortgeschrittene zeigen ihr Können anhand der Standortbestimmungen. Lücken werden aufgearbeitet und wer die Grundlagen beherrscht, bearbeitet Teil II (E) bis hin zu eigenen Projekten.

Die Themen des Atlasmathe decken alle Kompetenzen gängiger Lehrpläne ab .

Ein Kurs besteht aus einem oder mehreren Teilen. Die Einführung gibt einen Einblick in das Unterrichtsmodell und öffnet den Zugang zu den zugehörigen Ressourcen. In der Vertiefung steht die praktische Arbeit mit diesen Ressourcen im Vordergrund. Als Fortsetzung ist eine Begleitung mit Antworten zu praktischen Umsetzungsfragen möglich (als Korrespondenz und/oder in Sitzungen zum Austausch).

Einführung (1/2 bis 1Tag)

1. Umgang mit Heterogenität: Den Standort bestimmen

  • Sie lernen verschiedene Gründe für die Heterogenität kennen und deren Auswirkungen im Unterricht.
  • Wir beleuchten Aspekte des Regelunterrichts, die mit einem heterogenen Umfeld in Konflikt geraten: z.B. mangelnde Differenzierung von Jahrgangslehrmitteln, Probleme der üblichen Notengebung, organisatorische Einengungen.
  • Standortbestimmung im Atlasmathe.

2. Elemente eines entwicklungsorientierten Unterrichtsmodells mit Beispielen

  • Wir zeigen den themenorientierten Aufbau von Jahreszyklen.
  • Sie lernen grundlegende Unterschiede zwischen den Niveaus I (G) und II (E/Z) anhand von Beispielen kennen.
  • Das Verständnis für eine grundlegende Basis wird mit handlungsorientierten Angeboten aufgebaut und mit vielfältigen Hilfestellungen (Material, Tabellen, Lösungsansätze) unterstützt. Heilpädagogische Überlegungen sind integriert.

3. fördernd Bewerten und positiv Beurteilen mit einem Punktesystem. Bewertung und Beurteilung in den Niveaus unterscheiden sich:

  • Im grundlegenden Teil I wird sowohl die Bearbeitung der Aufträge als auch das Ergebnis der Standortbestimmung in die Beurteilung einbezogen. Zudem können Standortbestimmungen mehrmals wiederholt werden.
  • Dieses Konzept birgt breite Möglichkeiten für Anerkennung und vermeidet Prüfungsangst.
  • Auf Niveau II fliessen nur die Standortbestimmungen in die Bewertung ein.

4. Einstieg in den Atlasmathe: Navigieren, Suchen, Drucken

  • Sie lernen den Zugang und die verschiedenen Teile des Atlasmathe kennen.

5. Die Themen des Atlasmathe im Jahresablauf

  • Wir vertiefen uns exemplarisch in den Aufbau eines Themas mit seinen individuellen und klassenweisen Übersichtsmöglichkeiten.
  • Ein Jahresplan zeigt Themen des Atlasmathe und den Zusammenhang mit dem Kompetenzaufbau des Lehrplanes.

6. Aufgabenverwaltung und Schülerzugang

  • Mit dem Hinweis auf die Klassenverwaltung und den SchülerInnenzugang Mathe21 bieten wir einen Ausblick auf den vertiefenden Teil

Vertiefung (1 Halbtag)

1. Das Kompetenzmodell des Atlasmathe

  • Kompetenzen konkret darstellen und visualisieren: Die Bausteine „Aufgaben“ und „Lernmodule“ erkunden.
  • Den Zusammenhang von Lernsets und Themen mit ihren Bausteinen verstehen.

2. Arbeit mit einem Thema:

  • gemeinsame Einführungen
  • begleitete und eigenständig Arbeiten
  • den Lernstand dokumentieren mit Lernbegleitbogen (LBB) und Klassenübersicht

3. Arbeit mit der Klassenverwaltung

  • die elektronische Klassenverwaltung kennenlernen.
  • eine Klasse auf verschiedenen Wegen erstellen
  • markieren von Aufgaben für alle oder einzelne Schüler/innen
  • elektronische Übersicht über ein Thema

4. Einsatz des Schülerportals Mathe21

  • den Zugang für Schülerinnen und Schüler kennenlernen
  • Aufgaben für Mathe21 stellen und verwalten.

Nächste Kursdaten

Ort / Titel / Organisation / Zeit
Anmeldung bitte direkt beim Kursveranstalter

Zürich Mathematik kompetenzorientiert fördern
Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Weiterbildung der Lehrpersonen (ZAL)
Mittwoch 14. März 2018, 14:00 – 17:00

Gossau SG Mathematik kompetenzorientiert und integrativ unterrichten 
Kanton St.Gallen, Amt für Volksschule, Abteilung Weiterbildung Schule WBS
Mittwoch 21. März 2018, 14:00 – 17:00

Schaffhausen Mathematik kompetenzorientiert fördern/beurteilen 
Pädagogische Hochschule Schaffhausen (PHSH)
Mittwoch 4. April 2018, 14:00 – 17:00

Zürich Mathematik individualisiert unterrichten (Klassen 1-6)
Akademie für Lerncoaching, Albulastrasse 57, 8048 Zürich-Altstetten
Samstag, 5. Mai 2018, 10.00-17.00 Uhr 

Schulinterne Workshops
Für schulinterne Workshops können Sie jederzeit Termine mit uns vereinbaren. Wir gehen gerne auf die spezifischen Fragen Ihrer Schule ein und kommen zu Ihnen als Team für CHF 900 (Halbtag) oder CHF 1'500 (ganzer Tag) plus Bahnspesen.
Kontakt: Werner Fessler 079 651 29 40, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wer sind wir?

Peter Geering:

Für mich als Lehrer für Mathematik und Fachdidaktik Mathematik in der Lehrerausbildung waren die Schwierigkeiten von Lernenden mit meinem Fach stete Herausforderungen. Mit kreativen Lösungen ist es mir immer besser gelungen, eine angstfreie, positive Lernatmosphäre für alle zu schaffen. Der Atlasmathe ist in Zusammenarbeit mit den gleich gesinnten Marianne Kunath (Unterstufe) und Werner Fessler (Mittelstufe) in der Absicht entstanden, den Berufseinsteigenden und allen interessierten Kolleginnen und Kollegen auf der Primarstufe unsere Erkenntnisse mit den zugehörigen Materialien weiterzugeben.

Werner Fessler:

Ich kehrte mit 55 als IF Lehrer zurück in die Schule. In einer Zürcher Quartierschule stiess ich auf innovative Kolleginnen und Kollegen, mit denen zusammen wir einen entwicklungsorientierten Umgang mit der Heterogenität entwickelten. Ich kenne die Probleme sowohl der Kinder als auch der Lehrpersonen aus eigener Erfahrung.

Während der Berufszeit übernahm ich die Bearbeitung der Mathematik. Nach 3 Jahren Unterrichtsentwicklung stiessen wir auf Peter Geering als Berater und seither arbeiten wir beide bis heute im Pensionsalter zusammen an diesem Projekt.

gemeinsame Tätigkeit:

  • Entwicklung und Erprobung eines Unterrichtsmodells für heterogene Schulklassen
  • Sammlung und Redaktion von dazu geeignetem Lern- und Lehrmaterial
  • Veröffentlichung unserer Arbeit auf der Website www.atlasmathe.ch
  • Workshops an der Hochschule für Heilpädagogik in Zürich
  • Weiterbildungskurse für Lehrkräfte (ZAL, Amt für Volksschule St. Gallen)
  • Schulinterne Weiterbildungen in den Kantonen ZH, SG, Coaching von Schulen mit Mehrjahrgangsklassen